Irgendwie sah der Zwerg reichlich bedröppelt aus. Und dies nicht nur, weil das Badewasser noch immer aus dessen roten Zöpfen und zottigem Bart rann.
Zu Koschs eigener Überraschung genoss er das kühle Bad mehr, als er erwartet hatte. Dies bezog er zwar, auf die noch immer drückende Hitze, die über der gesamten Stadt lag, aber trotzdem fand er es irgendwie nicht richtig und für einen Felsenschmetter alles andere als angemessen. Ein badender Zwerg. Wo gab's denn so was? Wieder schüttelte er still den Kopf und tauchte trotzdem erneut unter. Das erfrischende Nass bildete eine willkommene Abkühlung in diesen Stunden, das war nicht weg zu diskutieren. Noch dazu hatten sie hier einen recht brauchbaren Gerstensaft. Härtere Getränke hatte Kosch zwar vergebens erfragt, aber war er am Ende mit dem Bier, doch recht zufrieden.
Das Badehaus, das Kelor gewählt hatte, war keines von dessen Stammhäuser. Irgendwie hatte er Angst gehabt, dass sie ihn dort unter Umständen nicht mehr eingelassen hätten, nachdem er mit diesem Zwerg aufgetaucht wäre. Stattdessen wählte Kelor eines etwas außerhalb.
Die zuständige Dame am Empfang hatte auch tatsächlich zuerst die Nase gerümpft, es dann aber scheinbar, als ihre Pflicht angesehen, einen so schmutzigen Reisenden nicht mehr ziehen zu lassen, ohne dass dieser das Meiste seines Schmutzes los geworden wäre.
Kelor betrachtete Kosch, wie dieser endlich aus dem Becken stapfte. Ein warmes Bad in einer jeweils eigenen Wanne hatten sie beide schon hinter sich, worum Kelor mehr als dankbar gewesen war.
Im Anschluss entschied Kelor zur Abkühlung das große Becken zu benutzen, um welches mehrere einfache Holzpritschen angeordnet waren. Der Zwerg machte auch ohne Rüstung eine imposante Figur. Es wölbte sich zwar ein ordentlicher Bauch nach vorne, den sonst wohl die Rüstung etwas im Zaum hielt, aber die sonstigen Muskeln wurden davon nicht geschmälert. Kosch wirkte, als ob alles, was nicht nach oben wachsen sollte, in die Breite gegangen wäre. An seinen Armen sah man, sich dicke Muskelstränge, unter der Haut abzeichnen und sein Hals war von seinem Nacken kaum zu unterscheiden. Sein restlicher Körper stand dem, in Nichts nach.
Kosch schlang sich ein Handtuch um die Hüfte und lies sich dann auf die Pritsche neben Kelor fallen.
„Und? Ich will ja nicht darauf herumreiten, aber ich habe den Eindruck, dass ein Bad nicht die schlechteste Idee war?“
„Ja, ja.“, brummelte der Zwerg in seinen nassen Bart. „Trotzdem wird's sicher keine Gewohnheit werden, auch wenn das Bier recht süffig ist.“ Kelor musste lachen.
Sie blieben nur noch eine kleine Weile, bevor sie sich auf den Weg in die Räume zum Ankleiden machten. Das Silber für eine zusätzliche Massage wollten sie nicht investieren, auch wenn Kelor nur ungern ablehnte und das attraktive Mädchen, eine intensive Erfahrung versprochen hatte.
Der junge Gardist wartete, während Kosch sich in seine schmutzige Rüstung zurück zwängte. Er wünschte sich, dass doch etwas mehr Duftöle im Badewasser gewesen wären, als er sich das alte Metall so besah. Einer Reinigung durch einen örtlichen Schmied hatte Kosch vehement widersprochen. Den Ruhm von Generationen wasche man nicht einfach so ab. Die Rüstungspflege wäre eine äußerst diffizile Angelegenheit, die nur er selbst übernehmen könne. So wie Kelor nun den Zwerg schon kennen gelernt hatte, versuchte er es erst gar nicht weiter.
Während er so an der Wand lehnte und wartete, dass Kosch endlich sämtliche Schnallen und Riemen richtig angelegt und eingestellt hatte, vernahm er zwei weibliche Stimmen aus dem Nachbarraum. Ursprünglich war das Ankleidezimmer größer und für beiderlei Geschlecht vorgesehen, doch hatte man bereits vor einiger Zeit eine einfache Wand eingezogen, um der, in den letzten Sommern, wachsenden Prüderie gerecht zu werden.
„Habt ihr von Westholz gehört?“
„Ja, meine Nachbarin hat es mir erzählt. Schlimm. Einfach nur schlimm.“
„Das liegt nur an diesen heißen Sommern sag ich euch. Aber so ein gewaltiges Feuer... Die Stadt soll vollständig niedergebrannt sein.“
„Ja, das hörte ich auch. Die Leute dort haben alles verloren.“
Kosch war endlich fertig und hatte das Gespräch wohl ebenfalls vernommen. „Westholz... ich glaub, da bin ich vor 'ner Woche noch durch gekommen. Aber völlig niedergebrannt? Aus so viel Holz waren die Häuser doch jetzt auch nicht gerade. Und Stein brennt meist recht schlecht.“
Kelor sparte es sich, darauf hinzuweisen, dass auch in Weißenburg überwiegend Steinhäuser standen. Trotzdem waren die Dachstühle und auch sonstige Balken, wie so ziemlich überall natürlich aus Holz. Im vergangen Frühjahr hatte ein Feuer, auch hier ein paar der enger zusammen stehenden Häuser erfasst. Kelor, der damals nach den Löscharbeiten Brandwache hielt, hatte gesehen, wie auch Steinhäuser sozusagen vollständig niederbrennen konnten. Er wollte nicht wissen, wie verheerend dieses Feuer in einem so heißen Sommer ausgesehen hätte.
Kosch wiederum hatte zuvor schon von der Bauart seines Volkes erzählt. Dort baute man nach seiner Aussage tatsächlich fast ausschließlich aus Stein und Metall. Dies war wohl auch der deutlich längeren Lebenserwartung geschuldet. Eine Behausung, die einmal errichtet worden war, sollte Generationen erhalten bleiben, ohne dass ständig Reparaturen durchzuführen seien. Kelor, der eigentlich wenig Sinn für Architektonisches hatte, war nicht umhin gekommen, eine gewisse Neugierde für die Heimat Koschs zu entwickeln.
„Sag ma' Junge, wie kommt's eigentlich, dass ein einfacher Gardist, so viel Wert auf Sauberkeit legt?“, fragte der Zwerg, als sie schlussendlich in die noch immer, schwüle Abendluft traten.
„Das, mein kurzer Freund, ist eine längere Geschichte, die durchaus bei dem ein oder anderen Bier erzählt werden kann. Das nächste geht auf mich.“
„Narrengold und Hammerbruch. Das soll mir das Bad doch wert gewesen sein.“ Ein Strahlen ging über Koschs Gesicht, als sie sich auf den Weg Richtung Markt machten.
Hier endet das 2. Kapitel. Mit dem nächsten Teil beginnt das 3. sowie das eigentliche Fest. Seid auf die Ereignisse gespannt.
Sonntag, 15. Januar 2012
Sonntag, 8. Januar 2012
2. Kapitel Teil 12 - Im Kerker
Der Zwerg Kosch Felsenschmetter hatte längst etwas von der Freude an dieser vermaledeiten Stadt und ihrem blöden Fest verloren. Wie konnte man auch nur so einen Aufstand machen, wegen einer kleinen Keilerei unter Kameraden? Gut, richtige Kameraden waren es ja nicht, aber da sie alle am selben Wettkampf teilnehmen wollten, kam das seiner Definition doch recht nahe.
Merkwürdig fand er auch, dass scheinbar neben dem Bisonkopf, nur er mit zur Wache und anschließend hierher gebeten wurde. Naja, gebeten war auch hier nicht das richtige Wort. Eskortiert traf es da schon besser. Noch dazu mit gezückten Waffen. Er wollte gar nicht wissen, wie viele Soldaten sie mitgeschickt hätten, wenn er seinen Hammer dabei gehabt hätte, statt ihn bei Alef zurück zu lassen. Auf die Idee, dass sie ihm den wohl nicht gelassen hätten, kam er nicht.
So war Kosch nun also, allein in einer Zelle, die man extra für unangenehme Gäste, wie ihn freigehalten hatte. Dabei ging es wohl nicht einmal darum, ihm oder den anderen Gefangenen einen Gefallen zu tun, sondern vielmehr um die Angst der Wärter, eine Auseinandersetzung in den engen Zellen schlichten zu müssen. Normalerweise wäre ihnen eine solche recht egal gewesen, aber Hauptmann Chrasinius hatte Kontrollen in der Festwoche angekündigt.
Kosch war gerade bestrebt, auf dem Boden eine halbwegs angenehme Sitzposition in seiner Rüstung zu finden – ein Ablegen kam herinnen nicht in Frage für ihn – als er Geräusche vor der Zellentür hörte. Er versuchte schnellstmöglich wieder auf die Beine zu gelangen, doch das kleine Guckfenster der Tür öffnete sich, bevor ihm das gelungen war.
Kelor besah sich mit einem süffisanten Grinsen Koschs verzweifelte Bemühungen.
„Ich hab euch gestern schon gesagt, dass solch ein Ungetüm nichts für die Stadt ist.“
„Ja, ja. Komm lieber rein und hilf mir hoch, Jungchen.“, schnauzte Kosch leicht gereizt zurück. Bei seinen Versuchen wäre er gerade fast auf dem Rücken gelandet.
Kosch hörte, wie die junge Stadtwache ein paar Worte mit jemandem außerhalb seines Sichtfeldes wechselte, während er endlich auf die Beine kam.
„Hmm, das wird nicht möglich sein. Die Wärter haben strikten Befehl die Tür erst wieder zu öffnen, wenn ihr eure Strafe bezahlt habt.“
„Strafe, pah!“ Kosch polterte los. „Ausnehmen woll'n se mich. Wahrscheinlich noch vom Turnier fernhalten.“ Der Zwerg war inzwischen an die Tür heran getreten und stand fast auf den Zehenspitzen, um zu sehen wer dort neben Kelor stand.
„Du da. Ja du. Mach mal nen Satz beiseite, damit ich mit dem Jungen allein sprechen kann.“
Als dieser tatsächlich mit mürrischem Blick ein paar Schritte zurück getreten war, flüsterte Kosch Kelor zu: „Diese Beutelschneider wollen zehn Goldstücke von mir, weil ich angeblich die Keilerei verursacht oder begonnen hätte. Alles Quatsch sag ich dir. Aber wie ich die Lage so bedenke, werd ich das kaum noch rechtzeitig hinbiegen können.“
Kelor befürchtete Schlimmes: „Also wenn ihr denkt, dass ich euch was auslegen kann, dann seid ihr schief gewickelt.“
„Nein, nein. Das Gold hab ich schon.“ Mit gepresster Stimme fügte er hinzu: „Nur habe ich heute morgen in meinem Dusel den Rucksack in der Herberge zurück gelassen. Das passiert mir sonst nie. Scheiß Würzsoße. Ich nahm nur meine kleine Goldbörse mit und die ist nach den horrenden Anmeldegebühren merklich leichter geworden. Ich trau denen hier aber nich' weiter als ich alle zusammen schmeißen kann. Ich mein... könntest du vielleicht... die Herberge ist ja nicht so weit.“
Kelor war etwas baff. Er fragte sich, womit er das Vertrauen des Zwergs gestern erworben hatte.
„Es soll dein Schaden auch nich' sein. Ich denk, dass ich bei'n Kämpfen ne gute Chance hab, und 'ne gut platzierte Wette sollte 'ne ziemlich, sichre Goldanlage sein.“
Das, was Kelor bereits zuvor von den Wachen in Erfahrung gebracht hatte, lies ihn den Worten fast glauben schenken. Er wusste aber auch, dass solche Geschichten schnell die Runde machten und die Buchmacher ziemlich sicher ihre Quoten anpassen würden, sobald sie von den Qualitäten des Zwergs erführen. Und erfahren würden sie davon.
„Komm schon. Überleg nich' lang. Ich will keinen von 'n Wärtern bitten müssen. Heut Abend biste auch wieder eingeladen.“
Kelor stöhnte zwar innerlich auf, sagte dann aber: „Na gut Felsenschmetter. Aber nur unter einer Bedingung...“
Die Verwünschungen hatte Kelor noch ihm Ohr, als er von Alef mit Koschs Rucksack wieder zurück kam. Es hatte einige Überredungskunst gebraucht, den Wirt zur Herausgabe zu bewegen. Wenn der den jungen Gardisten nicht so gut gekannt hätte, sowie ohne den gestrigen Abend, hätte er sich sicher die Zähne ausgebissen. Die Auslöse ging dann allerdings schneller von Statten als gedacht. Kelor war überrascht, dass die Wachen tatsächlich irgendwelche Zahlen auf ein Pergament notierten. Scheinbar verlangte das dieser Leutnant Chrostoph, der jedoch während Kelors Besuch schon nicht mehr da war. Es hätte ihn aber auch nicht gewundert, wenn dieser Zettel schon bald wieder verloren gegangen wäre.
Als sie endlich auf der Straße standen, war die Sonne schon fast verschwunden. Vom Stadtinneren drang Festlärm und Musik herüber.
„Jetzt sag. Das war doch vorhin nich' dein Ernst, oder?“, versuchte Kosch sich erneut zu drücken. „Woll'n wir uns nich' lieber direkt ins Getümmel stürzen?“
Kelor blieb hart. „Wie war das gestern mit der Ehre der Zwerge und besonders derer der Felsenschmetter? Sie stehen stets zu ihrem Wort und das ganze Zeug. Alles nur Gerede?“
„Ja, ja. Schon gut. Lass es hinter uns bringen.“
Kelor musste innerlich mehr als lachen und so machten sie sich auf den Weg – für ihn bereits zum zweiten Mal heute – in Richtung eines der Badehäuser.
Wie ihr vielleicht schon in den Kommentaren gelesen habt, betrat am 01.01. unsere Tochter das Licht der Welt. Damit ist meine Zeit zwar weiter knapper geworden, aber trotzdem wie versprochen, hier der neue Teil. Viel Spaß damit.
Merkwürdig fand er auch, dass scheinbar neben dem Bisonkopf, nur er mit zur Wache und anschließend hierher gebeten wurde. Naja, gebeten war auch hier nicht das richtige Wort. Eskortiert traf es da schon besser. Noch dazu mit gezückten Waffen. Er wollte gar nicht wissen, wie viele Soldaten sie mitgeschickt hätten, wenn er seinen Hammer dabei gehabt hätte, statt ihn bei Alef zurück zu lassen. Auf die Idee, dass sie ihm den wohl nicht gelassen hätten, kam er nicht.
So war Kosch nun also, allein in einer Zelle, die man extra für unangenehme Gäste, wie ihn freigehalten hatte. Dabei ging es wohl nicht einmal darum, ihm oder den anderen Gefangenen einen Gefallen zu tun, sondern vielmehr um die Angst der Wärter, eine Auseinandersetzung in den engen Zellen schlichten zu müssen. Normalerweise wäre ihnen eine solche recht egal gewesen, aber Hauptmann Chrasinius hatte Kontrollen in der Festwoche angekündigt.
Kosch war gerade bestrebt, auf dem Boden eine halbwegs angenehme Sitzposition in seiner Rüstung zu finden – ein Ablegen kam herinnen nicht in Frage für ihn – als er Geräusche vor der Zellentür hörte. Er versuchte schnellstmöglich wieder auf die Beine zu gelangen, doch das kleine Guckfenster der Tür öffnete sich, bevor ihm das gelungen war.
Kelor besah sich mit einem süffisanten Grinsen Koschs verzweifelte Bemühungen.
„Ich hab euch gestern schon gesagt, dass solch ein Ungetüm nichts für die Stadt ist.“
„Ja, ja. Komm lieber rein und hilf mir hoch, Jungchen.“, schnauzte Kosch leicht gereizt zurück. Bei seinen Versuchen wäre er gerade fast auf dem Rücken gelandet.
Kosch hörte, wie die junge Stadtwache ein paar Worte mit jemandem außerhalb seines Sichtfeldes wechselte, während er endlich auf die Beine kam.
„Hmm, das wird nicht möglich sein. Die Wärter haben strikten Befehl die Tür erst wieder zu öffnen, wenn ihr eure Strafe bezahlt habt.“
„Strafe, pah!“ Kosch polterte los. „Ausnehmen woll'n se mich. Wahrscheinlich noch vom Turnier fernhalten.“ Der Zwerg war inzwischen an die Tür heran getreten und stand fast auf den Zehenspitzen, um zu sehen wer dort neben Kelor stand.
„Du da. Ja du. Mach mal nen Satz beiseite, damit ich mit dem Jungen allein sprechen kann.“
Als dieser tatsächlich mit mürrischem Blick ein paar Schritte zurück getreten war, flüsterte Kosch Kelor zu: „Diese Beutelschneider wollen zehn Goldstücke von mir, weil ich angeblich die Keilerei verursacht oder begonnen hätte. Alles Quatsch sag ich dir. Aber wie ich die Lage so bedenke, werd ich das kaum noch rechtzeitig hinbiegen können.“
Kelor befürchtete Schlimmes: „Also wenn ihr denkt, dass ich euch was auslegen kann, dann seid ihr schief gewickelt.“
„Nein, nein. Das Gold hab ich schon.“ Mit gepresster Stimme fügte er hinzu: „Nur habe ich heute morgen in meinem Dusel den Rucksack in der Herberge zurück gelassen. Das passiert mir sonst nie. Scheiß Würzsoße. Ich nahm nur meine kleine Goldbörse mit und die ist nach den horrenden Anmeldegebühren merklich leichter geworden. Ich trau denen hier aber nich' weiter als ich alle zusammen schmeißen kann. Ich mein... könntest du vielleicht... die Herberge ist ja nicht so weit.“
Kelor war etwas baff. Er fragte sich, womit er das Vertrauen des Zwergs gestern erworben hatte.
„Es soll dein Schaden auch nich' sein. Ich denk, dass ich bei'n Kämpfen ne gute Chance hab, und 'ne gut platzierte Wette sollte 'ne ziemlich, sichre Goldanlage sein.“
Das, was Kelor bereits zuvor von den Wachen in Erfahrung gebracht hatte, lies ihn den Worten fast glauben schenken. Er wusste aber auch, dass solche Geschichten schnell die Runde machten und die Buchmacher ziemlich sicher ihre Quoten anpassen würden, sobald sie von den Qualitäten des Zwergs erführen. Und erfahren würden sie davon.
„Komm schon. Überleg nich' lang. Ich will keinen von 'n Wärtern bitten müssen. Heut Abend biste auch wieder eingeladen.“
Kelor stöhnte zwar innerlich auf, sagte dann aber: „Na gut Felsenschmetter. Aber nur unter einer Bedingung...“
Die Verwünschungen hatte Kelor noch ihm Ohr, als er von Alef mit Koschs Rucksack wieder zurück kam. Es hatte einige Überredungskunst gebraucht, den Wirt zur Herausgabe zu bewegen. Wenn der den jungen Gardisten nicht so gut gekannt hätte, sowie ohne den gestrigen Abend, hätte er sich sicher die Zähne ausgebissen. Die Auslöse ging dann allerdings schneller von Statten als gedacht. Kelor war überrascht, dass die Wachen tatsächlich irgendwelche Zahlen auf ein Pergament notierten. Scheinbar verlangte das dieser Leutnant Chrostoph, der jedoch während Kelors Besuch schon nicht mehr da war. Es hätte ihn aber auch nicht gewundert, wenn dieser Zettel schon bald wieder verloren gegangen wäre.
Als sie endlich auf der Straße standen, war die Sonne schon fast verschwunden. Vom Stadtinneren drang Festlärm und Musik herüber.
„Jetzt sag. Das war doch vorhin nich' dein Ernst, oder?“, versuchte Kosch sich erneut zu drücken. „Woll'n wir uns nich' lieber direkt ins Getümmel stürzen?“
Kelor blieb hart. „Wie war das gestern mit der Ehre der Zwerge und besonders derer der Felsenschmetter? Sie stehen stets zu ihrem Wort und das ganze Zeug. Alles nur Gerede?“
„Ja, ja. Schon gut. Lass es hinter uns bringen.“
Kelor musste innerlich mehr als lachen und so machten sie sich auf den Weg – für ihn bereits zum zweiten Mal heute – in Richtung eines der Badehäuser.
Wie ihr vielleicht schon in den Kommentaren gelesen habt, betrat am 01.01. unsere Tochter das Licht der Welt. Damit ist meine Zeit zwar weiter knapper geworden, aber trotzdem wie versprochen, hier der neue Teil. Viel Spaß damit.
Mittwoch, 28. Dezember 2011
2. Kapitel Teil 11 - Zurück auf die Straße
Dareck war in der Zwischenzeit aufgestanden und hinter den Vorhang getreten. Als er kurz darauf wieder hervor kam, sagte er nur: „Ich denke, es wird Zeit, dass du wieder zu den Wagen gehst. Dein Vater wird sicherlich mit euch zur Eröffnungsansprache wollen.“
Melton nickte und lies sich von der Bühne herunterrutschen. „Sollen wir dir vorher noch was bringen?“
Dareck schüttelte den Kopf. Als Melton schon los laufen wollte, rief ihn der dunkle Mann, der vor wenigen Augenblicken so verletzlich gewirkt hatte, noch einmal zurück. „Melton, behalt bitte für dich, was ich gerade erzählt habe. Besonders gegenüber deinem Vater und deiner Mutter. Sie würden es nicht gutheißen, wenn sie davon erführen.“
Der Junge nickte zur Bestätigung. Erst als er bereits den halben Rückweg hinter sich hatte, fragte sich Melton, was Dareck eigentlich mit seinem letzten Satz gemeint hatte. Würden seine Eltern Darecks Vergangenheit, oder dass er davon erzählt hatte, nicht gut heißen?
Noch etwas später fiel ihm ein, dass er völlig vergessen hatte, nach dem Katzenwesen zu fragen.
Kelor wusste sofort, dass er wahrscheinlich wieder in Schwierigkeiten steckte. Und irgendwie hatte er auch eine Ahnung, mit wem das etwas zu tun haben könnte. Er hatte seinen freien Tag gehabt und diesen auch ausgiebig genutzt, nach der viel zu langen Nacht mit diesem verflixten Felsenschmetter. Naja, eigentlich war der Abend noch ganz unterhaltsam geworden. Der Zwerg kannte Lieder die selbst Alef die Schamesröte ins Gesicht getrieben hatten. Nachdem Kosch dann auch noch den Wirt und Kelor dazu genötigt hatte, selbst einmal den Drachenodem als Bierwürzsoße zu versuchen, war Alef von dessen Wirkung so begeistert, dass er ihm und dem Zwerg einige Runden seiner sonstigen Getränke spendierte und mit ihnen zusammen den Odem, in so ziemlich alles schüttete, was er da hatte. Doch die geschmackliche Verbindung mit einfachem Bier konnte mit nichts anderem übertroffen oder auch nur erreicht werden. An den restlichen Abend konnte Kelor, sich nur noch verschwommen erinnern.
Nachdem er am späten Morgen noch schnell seinen Bericht bei Chrasinius abgegeben hatte, konnte er danach tatsächlich in seinen freien Tag starten. Endlich kam er zu seinem so ersehnten Besuch im Badehaus und selbst den Markt und die Stände hatte er sich noch anschauen können.
Zurück in die Kaserne kam er dann erst wieder am frühen Abend, wo ihn bereits eine Nachricht von einem, ihm unbekannten Leutnant erwartete. Dies allein wäre eigentlich ungewöhnlich gewesen, da Kelor so gut wie alle anderen der Wachen kannte; als er aber am Siegel sah, dass es sich um den Zuständigen des Gefängnistraktes handeln musste, wunderte es ihn nicht mehr.
Die Kerkerwachen waren eine eigenständige Einheit, die von vielen, der anderen Soldaten gemieden wurden. Einige der Wärter hätten wahrscheinlich hinter den Gittern einen ebenso passenden Eindruck erweckt, wie als Wachen davor. Es war ein offenes Geheimnis in bestimmten Kreisen, dass der ein oder andere Inhaftierte mit dem richtigen Leumund, bzw. dessen Goldbörse, bereits nach wenigen Stunden, wegen einer „offensichtlichen Verwechslung bei der Festnahme“ entlassen wurde.
Er öffnete die Nachricht und las.
An Kelor, Mann der Stadtwache
bitte kommt zum Kerker unter der Weide. Einer der Insassen brachte euren Namen ins Spiel und ersucht um Eure Anwesenheit.
Chrostoph
Leutnant der Weide
Die Trauerweide, nach der der Stadtkerker benannt war, befand sich direkt neben dem Friedhof. Dort war auch der unterirdische Teil des Gefängnisses gelegen. Von den paar Fenstern des Zellentraktes, die noch oberhalb waren, hatte man einen guten Blick auf den Baum. Dies hatte einen besonderen Grund. Die Weide war ein großer und verkrüppelter, uralter Baum und gleichzeitig auch der Galgenbaum, an dem die zum Tode verurteilten Insassen aufgeknüpft wurden. Während der Feierlichkeiten waren selbstverständlich keine Hinrichtungen vorgesehen. Diese waren in Weißenburg von je her, eher selten. Trotzdem war der Bau derzeit mehr als gut gefüllt. - Solch ein Fest zog natürlich neben den gern gesehenen Gästen, auch allerlei Gesindel und Unruhestifter an.
Kelor hatte sich seufzend direkt wieder auf die Straßen begeben. Eine drückende Hitze lag noch immer über der Stadt. Für den Abend hatte er noch keine Pläne und die Neugier brachte ihn mit auf den Weg. Dieser Chrostoph hatte ihn nur bitten können, denn auch mit höherem Rang hatte er doch keine direkte Befehlsgewalt über ihn. Trotzdem war es üblicherweise ratsam, einen Offizier nicht zu lange warten zu lassen.
Tja, Weihnachten und eine fast schlaflose Nacht, mit Besuch im Krankenhaus hat den neuen Teil etwas verzögert. Ich hoffe, ihr seht es mir nach.
Da die Geburt unserer Tochter nun unmittelbar bevorsteht, kann es auch nächste Woche zu einer Verspätung kommen. Ich versuche aber mein Bestes. ;-)
Melton nickte und lies sich von der Bühne herunterrutschen. „Sollen wir dir vorher noch was bringen?“
Dareck schüttelte den Kopf. Als Melton schon los laufen wollte, rief ihn der dunkle Mann, der vor wenigen Augenblicken so verletzlich gewirkt hatte, noch einmal zurück. „Melton, behalt bitte für dich, was ich gerade erzählt habe. Besonders gegenüber deinem Vater und deiner Mutter. Sie würden es nicht gutheißen, wenn sie davon erführen.“
Der Junge nickte zur Bestätigung. Erst als er bereits den halben Rückweg hinter sich hatte, fragte sich Melton, was Dareck eigentlich mit seinem letzten Satz gemeint hatte. Würden seine Eltern Darecks Vergangenheit, oder dass er davon erzählt hatte, nicht gut heißen?
Noch etwas später fiel ihm ein, dass er völlig vergessen hatte, nach dem Katzenwesen zu fragen.
* * *
Kelor wusste sofort, dass er wahrscheinlich wieder in Schwierigkeiten steckte. Und irgendwie hatte er auch eine Ahnung, mit wem das etwas zu tun haben könnte. Er hatte seinen freien Tag gehabt und diesen auch ausgiebig genutzt, nach der viel zu langen Nacht mit diesem verflixten Felsenschmetter. Naja, eigentlich war der Abend noch ganz unterhaltsam geworden. Der Zwerg kannte Lieder die selbst Alef die Schamesröte ins Gesicht getrieben hatten. Nachdem Kosch dann auch noch den Wirt und Kelor dazu genötigt hatte, selbst einmal den Drachenodem als Bierwürzsoße zu versuchen, war Alef von dessen Wirkung so begeistert, dass er ihm und dem Zwerg einige Runden seiner sonstigen Getränke spendierte und mit ihnen zusammen den Odem, in so ziemlich alles schüttete, was er da hatte. Doch die geschmackliche Verbindung mit einfachem Bier konnte mit nichts anderem übertroffen oder auch nur erreicht werden. An den restlichen Abend konnte Kelor, sich nur noch verschwommen erinnern.
Nachdem er am späten Morgen noch schnell seinen Bericht bei Chrasinius abgegeben hatte, konnte er danach tatsächlich in seinen freien Tag starten. Endlich kam er zu seinem so ersehnten Besuch im Badehaus und selbst den Markt und die Stände hatte er sich noch anschauen können.
Zurück in die Kaserne kam er dann erst wieder am frühen Abend, wo ihn bereits eine Nachricht von einem, ihm unbekannten Leutnant erwartete. Dies allein wäre eigentlich ungewöhnlich gewesen, da Kelor so gut wie alle anderen der Wachen kannte; als er aber am Siegel sah, dass es sich um den Zuständigen des Gefängnistraktes handeln musste, wunderte es ihn nicht mehr.
Die Kerkerwachen waren eine eigenständige Einheit, die von vielen, der anderen Soldaten gemieden wurden. Einige der Wärter hätten wahrscheinlich hinter den Gittern einen ebenso passenden Eindruck erweckt, wie als Wachen davor. Es war ein offenes Geheimnis in bestimmten Kreisen, dass der ein oder andere Inhaftierte mit dem richtigen Leumund, bzw. dessen Goldbörse, bereits nach wenigen Stunden, wegen einer „offensichtlichen Verwechslung bei der Festnahme“ entlassen wurde.
Er öffnete die Nachricht und las.
An Kelor, Mann der Stadtwache
bitte kommt zum Kerker unter der Weide. Einer der Insassen brachte euren Namen ins Spiel und ersucht um Eure Anwesenheit.
Chrostoph
Leutnant der Weide
Die Trauerweide, nach der der Stadtkerker benannt war, befand sich direkt neben dem Friedhof. Dort war auch der unterirdische Teil des Gefängnisses gelegen. Von den paar Fenstern des Zellentraktes, die noch oberhalb waren, hatte man einen guten Blick auf den Baum. Dies hatte einen besonderen Grund. Die Weide war ein großer und verkrüppelter, uralter Baum und gleichzeitig auch der Galgenbaum, an dem die zum Tode verurteilten Insassen aufgeknüpft wurden. Während der Feierlichkeiten waren selbstverständlich keine Hinrichtungen vorgesehen. Diese waren in Weißenburg von je her, eher selten. Trotzdem war der Bau derzeit mehr als gut gefüllt. - Solch ein Fest zog natürlich neben den gern gesehenen Gästen, auch allerlei Gesindel und Unruhestifter an.
Kelor hatte sich seufzend direkt wieder auf die Straßen begeben. Eine drückende Hitze lag noch immer über der Stadt. Für den Abend hatte er noch keine Pläne und die Neugier brachte ihn mit auf den Weg. Dieser Chrostoph hatte ihn nur bitten können, denn auch mit höherem Rang hatte er doch keine direkte Befehlsgewalt über ihn. Trotzdem war es üblicherweise ratsam, einen Offizier nicht zu lange warten zu lassen.
Tja, Weihnachten und eine fast schlaflose Nacht, mit Besuch im Krankenhaus hat den neuen Teil etwas verzögert. Ich hoffe, ihr seht es mir nach.
Da die Geburt unserer Tochter nun unmittelbar bevorsteht, kann es auch nächste Woche zu einer Verspätung kommen. Ich versuche aber mein Bestes. ;-)
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